14.04.2021 -
Dienstag, 02. Juni 2015 12:44

Was ist drin im Plug-in?

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Diese Frage bezieht sich nicht nur auf technisches Equipment der modernen Doppelgänger bezüglich der Motorisierung. Es stellt sich auch die Frage, was als umweltfreundlich deklarierte Newcomer wirklich können – und wo die Grenzen des Fahrspasses liegen.


Toyota Prius Hybrid (Bild: © Teddy Leung – shutterstock.com)


Dazu habe ich mir das eine oder andere Modell der Plug-in-Generation einmal genauer angesehen. Da wird Vermutetes ebenso offenbar wie Überraschendes oder vielleicht sogar Fragwürdiges. Fest steht: Plug-in-Fahrzeuge sind teuer, verfügen über eine besondere Konfiguration der Motorisierung und halten doch nicht immer das, was die Hersteller versprechen. Dennoch sind sie der richtige Schritt in eine Richtung, die die Mobilität der Zukunft unabhängiger von den fossilen Reserven der Erde machen kann.

Verbinden klassische und moderne Motorisierungen: Plug-in-Hybriden

Ist von Plug-in-Hybriden die Rede, spricht man landläufig von Fahrzeugen, die über eine doppelte Motorisierung verfügen. Zum einen wird der klassische Verbrennungsmotor eingesetzt, zum anderen ergänzt ein Elektromotor das Antriebskonzept. Versprochen werden ein niedrigerer Verbrauch bei besserem Komfort. Dabei erlebt der Markt der Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge einen regelrechten Boom, der allerdings nicht immer gerechtfertigt erscheint. Warum das so ist, beleuchte ich auch in diesem Beitrag.

Grundsätzlich scheint das Hybrid-Konzept eine vielversprechende und intelligente Lösung zu sein. Die überschaubare Reichweite moderner Elektroantriebe wird kombiniert mit dem klassischen Verbrennungsmotor, so dass Elektromobilität und ausdauernde Fahrleistungen nicht mehr im eklatanten Widerspruch zu stehen scheinen. Ist der Akku für den Elektroantrieb leer oder werden höhere Fahrleistungen abverlangt, schaltet das System eigenständig in den Verbrennungsmotor-Betrieb. Dabei kann durchaus auch ein dynamischer Wechsel zwischen beiden Stufen der Hybrid-Technik programmiert sein.

Vielfalt Einfalt

Gleich vorab möchte ich anmerken, dass Einfalt hier keineswegs negativ belastet ist. Gemeint ist einfach nur der Umstand, dass mittlerweile viele Marken das Hybrid-Konzept als eine gute (Umsatz-)Lösung für Ihre Fahrzeugpalette erkannt haben und dabei fast immer dem gleichen Grundprinzip folgen.

Die Vielfalt ergibt sich aus der Menge der Marken und Fahrzeuge, die sich im Segment der Hybrid-Fahrzeuge versammeln. Was einmal mit dem Toyota Prius begann, wird heute von anderen grossen Marken wie VW, Opel, Volvo, Mitsubishi, BMW, Audi oder Mercedes fortgesetzt. Praktisch jede wichtige Marke belegt ein eigenes Segment mit Hybrid-Fahrzeugen und zeigt so, dass sie auch scheinbar umweltfreundlich sein will.

Die Unterschiede in den Konzepten halten sich dabei in Grenzen. Lediglich die Grössen der Akkus, die Systemleistungen und die Dynamik der Hybrid-Technik macht jeweils den Unterschied. Auf diese Weise erscheint es rein technisch gesehen erst einmal egal zu sein, für welche Marke man sich entscheidet, wenn die Vorteile der Hybrid-Technik genutzt werden sollen.


Bei Plug-in-Hybriden spricht man von Fahrzeugen, die über eine doppelte Motorisierung verfügen. (Bild: © Sopotnicki – shutterstock.com)


Allein geht es nicht

Wer jetzt meint, er könne in einem Hybrid-Fahrzeug wahlweise zwischen Elektroantrieb oder Verbrennungsmotor frei wählen, der irrt sich. Während der Antrieb allein auf Basis des Verbrennungsmotors noch funktioniert, ist die Nutzung als reines E-Mobil doch eher in enge Grenzen gebannt. Günstig ist immer, wenn beide Systeme wirklich einsatzbereit sind. Sprich: Der Akku ist voll und der Tank nicht leer. Dann machen die Hybrid-Fahrzeuge genau das, was sie sollen. Sie fahren unter Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Antriebskräfte je nach abgeforderter Fahrleistung mit Strom oder Kraftstoff.

Interessant dabei ist, dass sowohl beim BMW i3 als auch beim Opel Ampera der Verbrennungsmotor nur als Notstromaggregat für den elektrischen Antrieb zu verstehen ist. Ob diese Lösung bringt, was der Autofahrer erwartet, darf hinterfragt werden. Bei beiden Fahrzeugen besteht zwischen Verbrennungsmotor und Antrieb keine kraftschlüssige Verbindung, der Verbrennungsmotor bleibt also das Stromerzeugungsaggregat bei erschöpftem Akku. So nehme ich in diesen Fahrzeugen praktisch mein Elektrizitätswerk mit und bin im Elektroantrieb nicht zwingend auf das langwierige und nervtötende Laden der Akkus angewiesen. Inwieweit das umweltfreundlich ist, darf bezweifelt werden.

Ebenso zweifelhaft ist, ob die Technologie wirklich umweltfreundlich ist. Denn bei keinem anderen Fahrzeugkonzept ist der Realverbrauch an fossilen Brennstoffen so nutzungsabhängig wie beim Hybrid.



Überraschungen beim Verbrauch

Wird der Hybrid im Modus Verbrennungsmotor gefahren wird deutlich, dass hier nicht wirklich gespart werden kann, geschweige denn eine Entlastung der Umwelt nachweisbar ist. Ohne den elektrischen Antrieb verhält sich ein Hybrid-Fahrzeug genauso wie ein klassischer Verbrenner. Der elektrische Antrieb reicht vielleicht für den überschaubaren Weg zur Arbeit, begleitet bei den täglichen Erledigungen oder ist ausreichend auch schon mal für die Kurzstrecke zur Oma um die Ecke. Am Wochenende oder auf der Urlaubsreise ist dann in jedem Fall der Verbrennungsmotor gefragt. Dann nämlich macht der Elektromotor nicht mehr viel her. Zweifelhaft am Konzept ist, dass immer ein Antriebskonzept mitgeschleppt wird, das aktuell nicht zum Einsatz kommt. Das bedeutet mehr Masse, mehr Verbrauch und damit eine Umkehrung des Effektes. Ausserdem bedeuten mehr verbaute Teile auch immer Mehrkosten und ein Plus an Wartungs- und Reparaturaufwendungen. Ob sich das über die Lebensdauer der Fahrzeuge wirklich rechnet, darf in der nächsten Fahrzeuggeneration nachgefragt werden.

Zu bedenken ist auch, dass die Verbrennungsmotoren der Hybrid-Fahrzeuge genauso viel Sprit verbrennen wie die Modelle ohne zusätzlichen E-Motor. Bleibt also die Frage, ob sich wirklich etwas sparen lässt.

Prinzipiell nicht. Zumindest dann nicht, wenn man die höheren Anschaffungspreise ins Verhältnis zur Spritersparnis durch den Elektroantrieb gegenrechnet. Dann bleiben die meisten Nutzer doch auf den höheren Anschaffungspreisen sitzen. Eine Logik, die im Sinne der Umwelt und der Verbraucher nicht nachzuvollziehen ist, den Autokonzernen dennoch reichlich Geld in die Kasse spült. Und auch die Mineralölindustrie ist ob der durchschnittlichen Kraftstoff-Verbräuche der Hybrid-Flotten nicht wirklich sauer.

Zeit also, das Hybrid-Konzept noch einmal zu überdenken und zu überlegen, welche Motorenkombinationen mit welchen Steuerungen wirklich sinnvoll sind. Es muss eben nicht alles per se gut sein, was modern und umweltfreundlich klingt.

 

Bild oben liks: © Fingerhut – shutterstock.com

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