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Montag, 19. Oktober 2015 15:33

Der Trenchcoat: Modische Allzweckwaffe mit dunkler Vergangenheit

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Wohl bei fast jedem gutgekleideten Menschen hängt er mindestens einmal im Kleiderschrank: Der Trenchcoat. Ob als Übergangsmantel für den Herrn oder taillierter Regenschutz für die Dame: Dieser Mantel passt zu fast jedem Outfit und wirkt nie veraltet. Dabei waren die ersten Trenchcoats alles andere als zivile Kleidungsstücke.


Der Trenchcoat passt zu fast jedem Outfit und wirkt nie veraltet. (Bild: Margarita Nikolskaya / Shtterstock.com)


Stellen Sie sich einmal Humphrey Bogart in „Casablanca“ ohne Trenchcoat vor. Eine seltsame Vorstellung, nicht wahr? Oder Peter Falks Paraderolle Inspektor Columbo. Und selbst Keanu Reeves hätte in seiner Rolle als „Neo“ im Science-Fiction-Film „Matrix“ (Informationen zum Film gibt es auf dieser Seite) seinen Gegnern ohne Mantel wohl wesentlich weniger Respekt eingeflösst.

All diese Charaktere wurden zwar nicht nur, aber doch auch durch die Wahl des Mantels erst zu dem Charakter, an den sich heute erinnert wird. Das Besondere an diesem Kleidungsstück ist die Tatsache, dass es auch nach vielen Jahrzehnten immer noch modisch wirkt. Das kann kaum ein anderes Outfit von sich behaupten.

Wie oft änderten sich allein in den vergangenen 20 Jahren die Schnitte für einen Herrenanzug? Der Trenchcoat hingegen überstand sämtliche Modewellen und -trends fast ohne jede Änderungen. Freilich gibt es ihn heute auch in exotischen Materialien und die Farbpalette wurde etwas erweitert, aber der Schnitt selbst ist gleich – seit den dunklen Tagen des Ersten Weltkrieges.


Links: Trenchcoat zur Zeit des Ersten Weltkrieges. (Bild: Hephaestos, Wikimedia, public domain) / Rechts: Trenchcoat aus dem Jahr 1953. (Bild : Roger Rössing, Wikimedia, CC)


Das genaue Erfindungsdatum lässt sich nicht mehr ganz genau rekonstruieren. Auch weil gleich zwei Firmen die Idee für sich beanspruchen: Thomas Burberry, britischer Erfinder des Gabardine-Stoffes und Gründer der gleichnamigen Marke, will einen Mantel nach diesem Schnitt und in dem von ihm erfundenen Material 1901 für eine Ausschreibung des britischen Militärs für einen Offiziersmantel eingereicht haben.



Der andere Urheber, die Londoner Modefirma Aquascutum, behauptet sogar, bereits in den 1850ern ein solches Design erstmals produziert zu haben. Egal welche der beiden Versionen nun stimmt, Fakt ist, dass leichte, wasserabweisende Mäntel mit integriertem Gürtel und Schnallen um die Manschetten in den letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg zum optionalen Uniformstück für britische Offiziere avancierten.

Optional bedeutet in diesem Falle: Das Tragen als Teil der Uniform war den Gentlemen erlaubt, sie mussten den Mantel aber aus eigener Tasche finanzieren. Das Kleidungsstück erreichte sehr schnell einen hohen Beliebtheitsgrad, denn die einzige andere Option wäre der standartmässig für die britischen Truppen ausgegebene schwere Wollmantel gewesen – warm im Winter aber absolut kein Kleidungsstück für die Übergangszeit und bei Dauerregen.

Mit Ausbruch des „Grossen Krieges“ passten die britischen Schneider den Mantel schnell an die Erfordernisse in Frankreich und Belgien an: Die Farbe, ein dunkler Sandton, passte gut und blieb. Hinzu kamen aber Details wie Schulterschlaufen für Rangabzeichen und D-Ringe am integrierten Gürtel für Dinge wie Kartentaschen und Handgranaten. Die so ausgestatteten Mäntel hatten bei den Soldaten flugs den Spitznamen „Trench Coat“, also Grabenmantel, weg. Und die, die ihn in den Schützengräben trugen, schätzten seine Eigenschaften so sehr, dass sie ihn auch nach der Rückkehr ins Zivilleben weiter trugen.

Alleine durch die schiere Masse an Trench Coats im Volk avancierte das Kleidungsstück in den 1920ern schnell zum Kleidungsstück für die Massen. Bereits wenige Jahre nach dem Krieg entstanden schon Versionen für Frauen, erkennbar an der etwas kürzeren Länge und dem taillierteren Schnitt. Von da an liess sich der Siegeszug des Trenchcoats kaum mehr bremsen. Sein Design verbreitete sich rund um den Globus: Der New Yorker Mann von Welt trug den Trenchcoat nun ebenso wie der Schweizer Kaufmann und der Holländische Botschaftsangestellte auf Java.


Trenchcoat für Damen, Paris, 1921. (Bild: Agence Rol, Wikimedia)


Während des nächsten Weltkrieges verzichteten die Briten hingegen darauf, ihren Soldaten erneut den Trenchcoat auszugeben und auch in anderen Armeen erreichte er kaum noch den Status, den er zwischen 1914 und 1918 innehatte: Mittlerweile waren Überjacken entstanden, die besser den nun herrschenden Umständen des Gefechts angepasst waren. Im Zivilleben blieb der Mantel aber nach wie vor ein Renner, nun auch vermehrt in universellem Schwarz statt des Khaki-Tones.

Wie schon erwähnt änderte sich am Schnitt des Mantels bis zum heutigen Tage kaum etwas. Doch wodurch definiert sich ein Trenchcoat, was unterscheidet ihn von anderen Mänteln? In diesem Falle sind es mehrere aber entscheidende Details: Ein echter Trenchcoat ist grundsätzlich sehr leicht. Dazu besteht er aus Gabardine oder einer anderen dünnen Faser.

Trotzdem ist er wasserabweisend, denn der Trenchcoat ist strenggenommen ein Regenmantel. Warm halten muss er nicht, deshalb weisen die Mäntel keine wärmende Fütterung auf. Lediglich ein dünnes Stofffutter in schottisch anmutendem Tartan-Karo ist erlaubt. Im Gegensatz zur äusseren Farbe, die ganz klassisch nur Khaki sowie ein ins braune tendierendes Olivgrün umfasst, darf das Karo auch ruhig etwas bunter sein.

Ein echter Trenchcoat ist immer ein Zweireiher mit breitem Revers, zehn Knöpfen und hohem Kragen, der sich bei Regen weit genug hochschlagen lässt, um in Kombination mit einem Hut quasi den ganzen Kopf vor der Witterung zu schützen. Um den Mantel „auf Figur“ zu halten, verläuft beim Trenchcoat grundsätzlich ein Gürtel auf Hüfthöhe. Er ist am Rücken angenäht und verläuft an den Seiten zusätzlich durch Schlaufen.


Viele Jahrzehnte nach seiner Erfindung wirkt der Trenchcoat immer noch modisch. (Bild: Pressmaster / Shutterstock.com)


Dies sind die wenigen Regeln, die ein solcher Mantel einhalten muss, um als echter Trenchcoat zu gelten. Die bereits erwähnten Rangschlaufen haben im Zivilleben keine Bedeutung und sind daher optional. Und im Farbbereich darf es heutzutage auch etwas bunter zugehen. Ein dunkles Blau oder Braun ist heute kein Ausschlusskriterium mehr. Generell ist heute die grosse Bandbreite der „Erdtöne“ erlaubt.

Wer aber niveauvoll bleiben möchte, lässt die Finger von schrilleren Farben, das gilt auch für die Damenwelt, der aber grundsätzlich etwas mehr Variation erlaubt ist, wie ein Blick auf die Webseiten von Modehändlern wie Street One beweist. Trotzdem: Ein knallroter Trenchcoat wirkt in vielen Augen verrucht. Besser ist es da, bei Altbewährtem zu bleiben. Und wozu sollte man da am Trenchcoat herumdoktern, er hat ja die vergangenen 100 Jahre auch gut ohne grosse Experimente überstanden.

 

Bild oben links: © Netfalls - Remy Musser / Shutterstock.com

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